Das Gesetz von Schuld und Sühne
‘Nach all dem wirst du auch das Gesetz von Schuld und Sühne, das Karma-Gesetz, nicht in der bisherigen Bedeutung bestehen lassen?'
‘Es steht geschrieben: ‘Ich will die Sünden der Väter an den Kindern rächen bis ins vierte Glied.' Da haben Verblendete den teuflischen Mächten ihr Herz geöffnet. Keine lichte Macht, am wenigsten Gott, verhängt irgendein Unheil. Wahr aber ist dies: Jede sittliche Schuld verzerrt die Geistseele und kann eine ungünstige Wiederverkörperung bewirken, da eine verzerrte Geistseele unweigerlich irdische Irrwege aller Art einschlagen lässt. Diese führen zwangsläufig ins Unglück, in Leiden, solange die Verzerrung, die Folge der sittlichen Schuld nicht gelöst ist. Diese Zwangsläufigkeit knechtet aber nur die tief Verblendeten, die sich nicht helfen lassen wollen und vor dem Ansturm der teuflischen Finsternis tatenlos die Hände sinken lassen.
Der Mensch steht vor der freien Wahl: Will ich in Nacht und Leid stolpern, bis sie mich zwingen, das Licht zu suchen und Hilfe anzunehmen, wenn ich nicht irdisch untergehen will, oder will ich mir von Wissenden und Sehenden das Licht weisen lassen, dass ich mich unverdrossen zu ihm durchkämpfen kann.
Kämpfe um die freie, leuchtende, liebe-erfüllte Herzmitte, lebe deine dir wie allen anderen eigene göttliche Liebe in deiner Lebensaufgabe und in deiner Umwelt aus, frei von Angst und Verkrampfung, und du löschest jede Schuld, jede Verzerrung, jedes Karma wie in göttlich lichtem, freudigem Spiel. So will dich Gott, die Unendliche Liebe. Wenn du irgend jemand hilfst, hilfst du allen, die mit dir seelisch verbunden sind, auch wenn sie mit dir noch durch Hass, durch verblendete Rachegelüste verbunden sind, weil du sie irgendwann einmal beleidigt oder geschädigt hast. Wenn du frei, leuchtend und liebe-erfüllt lebst, strahlst du allen, die mit dir seelisch irgendwie verbunden sind, deine Liebe und damit auch deine Hilfe und Wiedergutmachung zu. Bewusst böse Wesen aber, die du irgendwann einmal irdisch-seelisch geschädigt hast, sind einzig und allein selbst daran schuld, wenn ihnen auf diese Weise oder auf irgendeine andere nicht mehr zu helfen ist.
Grüble nicht über vergangenes Unrecht, das du anderen oder das dir andere zugefügt haben. Lebe frei, leuchtend und liebe-erfüllt, aber auch stark und aufmerksam. Das ist alles, was das göttliche Licht vom finsteren, dämonisch verzerrten Karma-Gesetz, vom Gesetz der Schuld und Sühne übriglässt.
Es gibt keine Schuld gegen andere, und sei sie auch ungeheuerlich, die nicht auf diese Weise mit freiem und freudigem Herzen getilgt werden könnte. Es gibt nur eine Schuld, die in Ewigkeit nicht wieder gutgemacht werden kann, eine Schuld, die das Christentum die Sünde wider den Heiligen Geist nennt, die einzige, die unverzeihlich und unwiderruflich ist: Die Schuld gegen sich selbst, gegen den eigenen göttlichen Willen, die vollbewusste, zynische Ausrottung des Gewissens, des Göttlichen in der eigenen Seele, der endgültige Entschluss, böse zu werden, die Anbetung der Grausamkeit, der Schadenfreude, die Selbst-Zerstörung. Wer das will und tut, kennt keine Reue mehr, keine Angst, er könnte sich für das Falsche entschieden haben, keinen Willen und keinen Wunsch, noch einmal umkehren, noch einmal anders entscheiden zu dürfen. Wer diese Reue, diese Angst, diese Zweifel noch kennt, hat sich noch nicht unwiderruflich entschieden und kann jederzeit umkehren. Nur der unwiderruflich, eindeutig böse Mensch und der Teufel fühlen sich der Richtigkeit ihrer Entscheidung vollkommen sicher.'
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